Wein, Stein und ein Dichter
Tomaj und Dutovlje (italienisch Tomadio und Duttogliano – historische, keine amtlichen Namen) sind benachbarte Dörfer nördlich von Sežana. Es sind in erster Linie Bauerndörfer: Kalksteinhäuser um Innenhöfe, Weinberge auf roter Erde, Trockenmauern und Schwarzkiefernwälder, die im 19. und 20. Jahrhundert eine zuvor kahle Hochfläche wieder bedeckt haben.
Hier ist der Teran zu Hause, der Rotwein des Weinbaugebiets Karst. Er wird aus der Rebsorte Refošk gekeltert, die auf Terra rossa wächst, der eisenhaltigen roten Erde der Kalkhochfläche, und ist seit 2006 in der EU als Ursprungsbezeichnung geschützt. Mit Kroatien gab es Streit um den Namen; im EU-Register ist Teran als slowenische Bezeichnung eingetragen. In Dutovlje beginnt der Teran-Rundwanderweg (Teranova krožna pot). Einige Höfe öffnen jeweils für ein paar Tage eine Osmica, vergleichbar einem Buschenschank oder einer Straußwirtschaft: Die Familie verkauft zu Hause ihren eigenen Wein, dazu Schinken und Wurst, Eier, Käse und einfache Gerichte, und ein Laubzweig zeigt an, dass geöffnet ist. Der Name kommt von osem, slowenisch für acht, nach den acht steuerfreien Verkaufstagen, die unter den Habsburgern erlaubt waren.
Auch in der slowenischen Literaturgeschichte hat Tomaj seinen Platz. Hier lebte die Familie des Dichters Srečko Kosovel: 1904 in Sežana geboren, starb er 1926 in Tomaj. Seine Gedichte erschienen erst nach seinem Tod in Buchform, der Band Pesmi 1927, die avantgardistischen Integrali sogar erst 1967. Das Haus der Familie in Tomaj ist restauriert und heute ein Kulturzentrum, das Zimmer in Sežana, in dem er geboren wurde, ist seit 1976 eine Gedenkstätte, und am 27. Mai 2026 jährte sich sein Todestag zum hundertsten Mal.
Zum Charakter gehören auch die Kehrseiten: Das Meer ist nicht zu sehen, die Bora bläst kalt und böig, am häufigsten von November bis April, in den Dörfern gibt es allenfalls eine Grundversorgung, und die Abende sind still. Man kommt wegen Stein, Wein und Ruhe hierher, nicht wegen einer Promenade.


