Eine Grenzstadt auf der Hochfläche
Sežana ist der Hauptort des slowenischen Karsts, jener Kalkhochfläche, die das Hinterland von Triest jenseits der Grenze fortsetzt. Auf Italienisch heißt die Stadt Sesana; das ist ein historischer, kein amtlicher Name, denn auf dem slowenischen Karst sind nur die slowenischen Ortsnamen amtlich. Sežana ist eher Grenzstadt als Postkartenidyll. Autobahn, Bahnlinie und der Grenzübergang Fernetti mit seinem Güterterminal umgeben die Stadt, und 1949 kosteten neue Straßen- und Bahntrassen den botanischen Garten einen Teil seines Geländes.
Die 1994 gegründete Gemeinde umfasst Dutzende Ortschaften, von der Stadt selbst bis zu Weilern mit wenigen Dutzend Einwohnern. Ringsum liegt die klassische Karstlandschaft: grauer Kalkstein, Trockenmauern, Dolinen, Weinberge auf roter, eisenhaltiger Erde und Schwarzkiefernwälder, mit denen im 19. und 20. Jahrhundert die einst weitgehend kahle Hochfläche aufgeforstet wurde. Oberflächenwasser gibt es kaum. Die Dörfer legten deshalb Teiche (kali) als Viehtränken und Zisternen (štirne) für das Trinkwasser an, und die Häuser fangen das Regenwasser von den Dächern auf. Die Bora, ein kalter, böiger Nordostwind, der vor allem von November bis April weht, erklärt die fensterlosen Mauern auf der Windseite.
Zwei Namen machen den Ort bekannter, als seine Größe vermuten ließe. Der Dichter Srečko Kosovel, ein Vertreter der Moderne, wurde hier 1904 geboren und starb 1926 im nahen Tomaj; sein Geburtszimmer ist seit 1976 eine Gedenkstätte. Und 10 Min. weiter südlich, in Lipica, erwarb der Habsburger Erzherzog Karl II. von Innerösterreich 1580 das Gut, aus dem das Gestüt hervorging, dem die Lipizzaner ihren Namen verdanken.


