Zuerst ein Gestüt, dann ein Dorf
Lipica ist zuallererst ein Gestüt. Am 19. Mai 1580 unterzeichnete Erzherzog Karl II. von Innerösterreich den Kaufvertrag für das Gut, und 1581 wurden in Spanien Stuten und Hengste gekauft, um sie mit dem einheimischen Karstpferd zu kreuzen. Der Name geht der Überlieferung nach auf ein kleines Gasthaus namens „Pr’ lipci“ zurück, „bei der kleinen Linde“. Die Pferde aus Lipica sind eng mit der Spanischen Hofreitschule in Wien verbunden: Als die Herde des Hofgestüts nach 1918 zwischen Lipica, Piber und Kladruby aufgeteilt wurde, ging ein Teil nach Piber, und auch die Lipizzaner, die man in Österreich aus Piber kennt, stammen von dieser Herde ab. Der Stall Velbanca wurde zwischen 1703 und 1705 gebaut.
Die Herde musste Lipica mehrmals verlassen: 1797 in Richtung Ungarn, erneut von 1809 bis 1815 und im Zweiten Weltkrieg, als sie von deutscher Seite beschlagnahmt wurde. 1947 kehrte nur ein kleiner Teil zurück; am 18. November desselben Jahres wurden die Stutbücher und eine deutlich größere Gruppe von Pferden Italien zugesprochen. Seit 2022 stehen die Traditionen der Lipizzanerzucht auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes; den Antrag hatten mehrere Staaten gemeinsam gestellt, darunter Slowenien, Österreich und Italien. Die slowenische 20-Cent-Münze zeigt Lipizzaner.
Heute hält das Gestüt Kobilarna Lipica mehrere hundert Pferde; es bietet Führungen und Reitvorführungen, dazu gehören ein Museum, ein Hotel und ein Golfplatz. Ringsum liegt offenes Karstland auf etwa 403 m Höhe: Kalkstein, Trockenmauern, Dolinen und Schwarzkiefernwälder dort, wo der Karst einst kahl war. Der Ort selbst zählt einige Dutzend Einwohner. Lipica ist ein Ausflugsziel, kein Wohnort: Häuser kommen hier nicht auf den Markt, und wer „in Lipica“ lebt, wohnt in Sežana, Lokev oder Orlek.



